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 Torf

Uralter Brauch von den Heimatvereinen Ober- und Niederlangen neu belebt

Der Arbeitskreis Historische Land- und Forstwirtschaft Niederlangen besuchte zum Frühlingsanfang den Oberlanger Heimatverein, um die Aktivitäten und Termine der beiden Nachbarvereine miteinander abzustimmen. Sie überraschten die Gastgeber nach alter, längst in Vergessenheit geratener Sitte mit einer altertümlichen Holzkarre, beladen mit gutem Torf, der nach Aussage von Arbeitskreissprecher Hubert Albers im letzten Sommer im Niederlangener Moor von seinen Mannen nach Art der Altvorderen gestochen wurde. Der Torf, so Albers, soll den Schornstein der Oberlangener Heimatfreunde „am Rauchen“ halten. Ältere Heimatfreunde erinnerten sich, dass es früher bei „Noabervisiten“ durchaus  üblich war, dass der Besuch Torf mitbrachte, damit alle in gemütlicher Runde am warmen Ofen klönen konnten.Heinz Wahoff, der 1.Vorsitzende des Heimatvereins, bedankte sich herzlich für die gelungene Überraschung, führte die Gäste durch das wunderschöne Heimathaus und erklärte ihnen die ausgestellten historischen Gerätschaften. Mit dem Wunsch, das gute Miteinander zu fördern – in der Vergangenheit war es ja nicht immer so harmonisch zwischen den beiden Orten – lud Albers die Heimatfreunde zu einem Gegenbesuch nach  Niederlangen ein.

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Bildunterschrift: Der Vorsitzende der Historischen Land- und Forstwirtschaft, Hubert Albers bedankt sich für die Einladung und überreicht dem 1. Vorsitzenden des Oberlangener Heimatvereins, Heinz Wahoff, einen guten Tropfen aus Haselünne.


  

Torf ringen im Niederlanger Moor

Nach der erfolgreichen Torfgrabung im Juni des Jahres haben Mitglieder der Arbeitsgruppe Historische Land- und Forstwirtschaft des Heimatvereins Niederlangen nun den Torf „gerungen“, will sagen, sie haben das gestochene Moor ein weiteres Mal gewendet und zu „Bülten“ (Haufen) neu aufgestapelt, damit es gut austrocknen kann. In früherer Zeit betrug dies ein Fassungsvermögen von einem viertel bis halben Tagwerk und war in der Regel Aufgabe der Siedlerfrauen.  Nach Aussage des Arbeitskreissprechers Hubert Albers ist der Trockenprozess jetzt abgeschlossen. Im September soll er nach historischem Vorbild zum Bürgerhaus Alte Schule verbracht werden, und im Winter die dortigen Versammlungsräume sowie das Museum Uli’s Puppenstube heizen, damit sich Heimatfreunde und Besucher dort wohl fühlen können.Mitglieder des besagten Arbeitskreises sind gerne bereit Schulklassen und interessierten Gruppen das Torfstechen zu erläutern, den Einsatz benötigter Gerätschaften vorzuführen und allgemeine Erklärungen zum Moor zu geben.

Telef. Anmeldungen erbeten bei

Hubert Albers  05933/1849 oder Hermann Garbs 05933/1425

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Bildunterschrift: v. li. Hubert Albers und Hermann Garbs bei der Arbeit. 


Torfstechen nach altem Brauch

Am Sonntag, dem 19. Juni bot die aktive Gruppe des Arbeitskreises „Historische Land- und Forstwirtschaft“ eine Aktion der ganz besonderen Art. Nach alt altem Brauch und nicht zuletzt wegen des besonderen Bezugs zum Moor lud sie Heimatfreunde und Interessierte zum Torfstechen an den Diekweg, zwischen Niederlangen-Siedlung und Neusustrum gelegen, ein. Hier, an der nördlichen Gemeindegrenze, eingebettet in das weit verzweigte unwegsame Gebiet des ehemaligen Bourtanger Moores, gibt es noch ein intaktes „Moorpant“, an dem sich die Arbeit unserer Altvorderen  hautnah erleben ließ. Arbeitskreissprecher Hubert Albers betonte in seinen Erläuterungen, dass das Torfstechen bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu den Aufgaben der Bewohner gehörte, bei dem auch die Hilfe der älteren Kinder gefragt war. Die abgestochenen feuchten Barren wurden auf eine hölzerne Schiebkarre gehievt und zunächst in der Nähe der Abtragungsstelle zum Trocknen ausgelegt. Erst, nachdem sie etwas angetrocknet waren, konnten sie zu kleinen „Torfringen“ und später zu einem großen „Bült“ aufgeschichtet werden. Wie im Ruhrgebiet die Kohle, so heizten im Emsland die Torfbarren die Öfen der Bewohner zum Kochen und Wärmen ein. Nebenbei war die Torfgewinnung aber auch eine kleine zusätzliche Einnahmequelle, mit der der ohnehin karge Lebensunterhalt bestritten werden konnte.

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Trotz des schlechten Wetters waren unerwartet zahlreiche Besucher gekommen, um an dem historischen Ereignis teilzuhaben. Erfahrungen wurden ausgetauscht, Erlebnisse geschildert und Dönkes erzählt, während die aktiven „Torfstecher“ fleißig Barren für Barren aus dem Boden holten. Am Ende konnten sie auf ein beachtliches Dargwark =Tagwerk zurückblicken. Zur Vesperzeit = Vespertied gab es in zünftiger Atmosphäre guten Muckefuck und herzhaft belegte Butterbrote von Brot aus dem eigenen Backofen.Der Torf, der jetzt am Sonntag gestochen wurde, wird im Sommer „gerungen“ – umgesetzt – und im Herbst mit Pferd und Ackerwagen abgeholt. Mit ihm soll im Winter der Kamin im Niederlanger Bürgerhaus Alte Schule „gefüttert“ werden, damit die Heimatfreunde es bei ihren Veranstaltungen schön warm haben.

Ulrike Küppers

 
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