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Pötte und Pannen

Pst, pst  es könnte für Interessierte und Kenner ein Geheimtipp sein!


Pötte und PannenAm 28. August 1996 beteiligte sich unser Heimatverein auch am 50jährigen  Bestehen vom  heutigen Niederlangen - Siedlung, früher auch "Neulangen" oder "Auf der Siedlung" genannt.
Eine Trachtenfrau vom Heimatverein Oberlangen und Hermann Garbs erschienen in voller Tracht mit ihrer Ausstellung, damals noch mit dem Fahrrad das mit einigen Gerätschaften  bestückt war wenn es zum melken auf die Koppel ging. Milchkannen, Melkeimer - und Schemel so wie Einfülltrichter. Im Vordergrund des Bildes sieht man auch noch das komplette Butterfass und die Zentrifuge zum trennen von Rahm, Mager und Vollmilch.
Schon damals zeigten die Besucher großes Interesse an solcherlei Gerätschaften und schnell wurde hier die Idee geboren  diese Sparte weiter zu intensivieren, dies tat auch Not bei einem Bestand von 17 oder 20 Exemplaren.
Es entstand eine regelrechte Sammelleidenschaft, nicht nur im eigenen Haus, sondern auch bei Verwandten, Bekannten, Nachbarn, Vereinsmitgliedern, Trödelmärkten und sonstigen Treffen und Veranstaltungen.
Der Bestand wuchs und wurde immer mannigfaltiger, nun begann auch der Ehrgeiz  der Komplettierung  und man versank in etliche Nischenbereiche.
Das war nur ein Problem, schon bei etwa 100 Exemplaren bemerkte man im Hause Garbs das diese Quellen langsam aber sicher versiegten,  was nun,  guter Rat war teuer wie auch ein  "Neuerwerb", außerdem entsprach so etwas nicht der Pflege von altem Brauchtum.
Immer traf man Hermann Garbs und Teile seiner Sammlung auf Veranstaltungen wieder, mal beim Kornfeldmähen -da war eine Ecke mit Ernteutensilien aber auch Gerätschaften aus dem täglichen Gebrauch. Es wurde aus einer großen Kaffeekanne noch echter "Lindes" ausgeschenkt, ( Muckefuck aus dem weißblauen Paket) man trank aus Blechtassen oder aus der Schöpfkelle und- es schmeckte einfach wunderbar!
Dann war die Schau im Seniorenzentrum Haus Simeon, auf der Gewerbeausstellung an der Schwebebahn oder zum Klönabend im Clubraum auf der Siedlung um nur einige Aktivitäten aufzuzeigen!
Leider musste man aber  feststellen das jede auswärtige Ausstellung trotzt aller Sorgfalt auch Schäden mit sich brachte die oft nicht mehr reparabel waren. (das Material war ja Holz, gebrannter Ton und Blech, denn Plastik kannte man ja nicht) Auch wurde es immer schwieriger aus dem umfangreichen Bestand das richtige auszuwählen - was wollten die Leute sehen, was war aktuell und wo lagen die Interessen?
So brachte die Zeit es mit sich, dass die mobilen Ausstellungen weniger auf dem Plan standen, für die ortsfeste Ausstellung aber ein schöner Kellerraum hergerichtet wurde.
Eines Tages besann Hermann Garbs sich auf den Spruch: Eins, zwei, drei ……meins, also "Ebay" -  Hobbys sind teuer und Ebay nicht billig, aber man hatte eine neue Bezugsquelle entdeckt auch für die einschlägige Literatur.
 Diese neue Quelle ist  ergiebig benötigt aber auch viel Zeit, Vertrauen, Geduld,  Wissen und Kenntnis, Kenntnis kann man sich bei so einem großen Angebot nur über Literatur aneignen und anlesen, auch wenn man selber in der Zeit gelebt und gewirkt hat - was wohl der größte Vorteil ist.
So sind mit der Zeit der Fundus auf gut 300 Exemplare angewachsen und man kann von einer richtigen Ausstellung  sprechen.
Leider wuchsen mit der Anzahl an Exponaten auch die Anzahl an Problemen,  was ist original und was ist falsch, was ist ein Kochkistentopf, wo wurde was - wofür genutzt,
ist es eine Back- oder Bratform, gab es vor mehr als 100 Jahren schon mit fast der gleichen Technik wie heute den Schnellkochtopf und den Warmwasserkocher, (dazu später mehr) kann ich den Henkelmann auf den Herd setzen oder nur warme Speisen einfüllen, hieß es früher wirklich "Häring" (Hering) oder ist es ein Schreibfehler!!??

Man sieht also schon das sich hier Fragen auf Fragen ergeben, die Antworten müssen aber korrekt und ergiebig sein. Natürlich kann es auch vorkommen dass alle Nachforschungen sprichwörtlich im Sande verlaufen aber das ist verzeihlich, denn über so einen langen Zeitraum geht einfach viel Wissen verloren oder es wird etwas angedichtet. Nicht umsonst wird bei der heutigen Grundlagenforschung so manches Kapitel um oder neu geschrieben.
So gibt es einige Hinweise, das zum Beispiel der Schnellkochtopf der um 1870 entstand, das Sicherheitsventil in dem ja immense Druckkräfte auftreten als Wiege zur Erfindung  des Kolben im Zylinder der Dampfmaschine diente - ja, man kann da nur staunen!!
Auch merkt man so ganz schnell das unsere Vorfahren damals nicht dumm waren, der Ideenreichtum war damals gewaltig, was für uns heute oft einfach und primitiv aussieht war vor 100 Jahren Fortschritt. Wenn man nun noch bedenkt was an Materialien, Werkzeugen, handwerklichem Geschick und Techniken zur Verfügung standen, waren diese Erzeugerstätten wahre Zauberküchen.
Alles war auf lange Haltbarkeit ausgerichtet, trotzdem musste es auch repariert werden können, davon lebten der Klempner, Schmied und Kesselflicker. (Einweg, Neukauf und Wegwerfgesellschaft waren Fremdworte)
Es sollte handlich, leicht und praktisch sein, auch an die Hygiene stellte man die ersten Ansprüche, denn Pest, Typhus und Cholera rafften in Europa ganze Landstriche dahin.
Dann erfand man das "Emaillieren", ein Sprung im Fortschritt, ganze Industrien entstanden nun konnte man die Nietungen und Lötungen kaschieren, Dichtigkeit garantieren und nebenbei noch Farbe und Dekor ins Spiel bringen .
Doch davon und Anderem, an dieser Stelle zur anderen Zeit mehr.

Pötte und Pannen ist also geschmeichelt, heißen müsste es: Töpfe, Pfannen, Tassen und Teller, Kuchen- und Backformen, Gewürzständer und Streuer, Henkelmann und Kochgeschirr, Brotdosen, Feldflaschen, Waagen, Rasierschalen, Waschschüsseln, Waschbecken, Schöpflöffel, Kellen, Dreieckstöpfe und, und, und………………, eines will ich aber nicht vergessen, er sieht gut aus, ist uralt und eine regelrechte Augenweide, ich spreche von alten Küchenofen für Holz und Kohle, mit Feuerringen und Backofen - obwohl der Ofen kalt war stieg mir der Duft von Bratäpfeln in die Nase!

Wirklich Interresierte mit Wunsch einer Besichtigung können gerne einen Lokaltermin bei  Hermann Garbs vereinbaren.
Vielleicht hat ja auch noch einer zum Beitrag der Sammlung etwas in einer Ecke im Haus gefunden.


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Dieter Röck

 
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